„Man könnte fast sagen, Thüringen ist die Wiege des E-Commerce“, sagte der Staatssekretär des Freistaates, Georg Maier, bei der Eröffnung der Veranstaltung „Zukunft Handel: Digitalisierung ist kein Hexenwerk!“ in Erfurt, mit Blick auf die Firma Intershop aus Jena. Doch noch sind längst nicht alle Händler online präsent und nur die wenigsten sind auf die Digitalisierung vorbereitet.

Die Veranstaltung, organisiert von der IHK Erfurt und dem Thüringer Zentrum für Existenzgründung und Unternehmertum, stellte genau dieses Problem in den Mittelpunkt. Auch wir durften uns mit einem eigenen Stand präsentieren, spannenden Vorträgen lauschen und uns mit regionalen Händlern austauschen. Unsere Erkenntnisse möchten wir in diesem Beitrag kurz zusammenfassen.

Chancen der Digitalisierung nutzen

Mit durchschnittlich 43 Stunden pro Woche verbringen die Deutschen mittlerweile einen Großteil ihrer Zeit online. Klar, dass da inzwischen auch das Online-Shopping einen hohen Stellenwert im Alltag einnimmt: 9 von 10 Internetnutzern kaufen online ein. Wie also kann der stationäre Handel hier mithalten? Welche Chancen bieten sich und welche Risiken sind einzukalkulieren?

So berichtete Thomas Zumnorde-Mertens vom Schuhhaus Hch. Zumnorde GmbH & Co. KG auf der Bühne von der erfolgreichen Verknüpfung von Online und Offline: Eine Frau kommt in den Laden, zeigt ihr Smartphone mit einem Bild eines Schuhs und sagt: „Den will ich in Größe 39,5!“. Innerhalb von wenigen Minuten war der Schuh verkauft und die Kundin glücklich.

„Das war mein kürzester Schuhverkauf.“ (Thomas Zumnorde-Mertens)

Einstimmig wurde das sogenannte Multichannel-Marketing als Zukunft des stationären Handels genannt. Dabei sollen Kunden und Interessenten nicht nur im lokalen Laden, sondern auch auf mehreren verschiedenen Kommunikationskanälen erreicht werden. So kann allein die Produktrecherche bereits auf unterschiedlichen Endgeräten erfolgen, der Kauf aber zum Beispiel vor Ort im Geschäft, nachdem Bewertungen in den sozialen Medien gelesen wurden. Es ist wichtig, den Kunden dort abzuholen, wo er sich gerade befindet – dazu gehört auch „das Smartphone der Leute, in deren Hosentasche!“, so Staatssekretär Maier.

Auch das Potenzial von Social Media war Grundlage einiger spannender Gespräche. So erzählte Andreas Fiedler, Geschäftsführer der geschenke-online 4you GmbH, vom erfolgreichen Einsatz der Facebook-Anzeigen.

„Wir haben über Facebook eine riesige Reichweite aufbauen können und finden es toll, so flexibel das Budget anpassen zu können.“ (Andreas Fiedler)

Gleichzeitig warnte er aber auch davor, Zielgruppen und Anzeigen allzu ungenau zu erstellen, denn „wenn man auf Facebook 1000 € am Tag für eine Anzeige ausgeben will, dann nimmt Facebook diese 1000 € auch!“. Eine genaue Strategie ist also unumgänglich – und das nicht nur für Social Media Marketing.

Nicht ohne meine Ziele!

Auch hier herrschte allgemeiner Konsens unter den Vortragenden: Ohne Ziele braucht man gar nicht mit Online Marketing anzufangen. Tobias Kallinich von Kallinich Media GmbH & Co. KG sagte zu Recht, dass zuallererst die Strategie stehen müsse. Nur dann mache der Schritt hin zur Digitalisierung auch Sinn. Dabei ist es unumgänglich aus Käufersicht zu denken und Lösungen für deren konkrete Bedürfnisse zu entwickeln.

Recap Zukunft Handel - Digitalisierung

Die Veranstaltung „Zukunft Handel: Digitalisierung ist kein Hexenwerk!“ in Erfurt

Die Chancen für den stationären Handel sahen die meisten Experten darin, die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht nur wahrzunehmen, sondern auch für sich zu nutzen. So könnten Onlinebestellungen auch nach Ladenschluss möglich sein oder individualisierte Produkte online zusammengestellt und dann im Ladengeschäft abgeholt werden. Im Fokus stehe immer der Kundenwunsch, auf den man zukünftig flexibler eingehen muss.

Der (Online-)Handel in Thüringen

  1. Eine Website ist das Aushängeschild des Unternehmens im Internet. Jedes Unternehmen sollte Wert auf eine professionelle, mobiloptimierte Website legen. Bisher verfügen weniger als die Hälfte der Thüringer Händler über eine eigene Website. Hier besteht großes Aufholpotenzial um mit den bundesweiten Mitbewerbern mitzuhalten.
  2. Das aktuell wohl größte Problem des stationären Handels ist die Auffindbarkeit des eigenen Unternehmens im Internet. Hier fehlt nicht nur das Verständnis für die Funktionalität der Suchmaschinen, sondern teilweise auch für die Erstellung von hochwertigen, für Suchmaschinen optimierten, Inhalten.
  3. Social Media Marketing ist für viele Unternehmen ein blinder Fleck. Die vielen Möglichkeiten, die dem stationären Handel durch die sozialen Medien zur Verfügung stehen, sind noch nicht vollumfänglich bekannt oder sie können aufgrund knapper Ressourcen nicht selbst umgesetzt werden. Auch fehlt es oft an Mut und Best Practice Beispielen.
  4. Viele, vor allem kleine, Unternehmen haben keine Vorstellung, wieviel „dieses Social Media“ kostet und scheuen grundsätzlich die Zusammenarbeit mit einem Experten. Auch hier fehlt das Bewusstsein, sich in dem Bereich weiterzubilden oder einfach mal zu fragen.
  5. Viele Unternehmen, vor allem Einzelunternehmer, scheuen sich davor, Partner wie z.B. Agenturen, mit ins Boot zu holen. Zu groß ist die Angst davor, „über den Tisch gezogen zu werden“ und in teuren Knebelverträgen gefangen zu sein.

Unsere Empfehlungen

In Sachen Digitalisierung besteht im stationären Handel definitiv noch Verbesserungspotenzial. Inzwischen sollte jedes Unternehmen eine mobiloptimierte Website besitzen.

Lombego Systems bei der Veranstaltung Zukunft Handel: Digitalisierung ist kein Hexenwerk

Lombego Systems bei der Veranstaltung „Zukunft Handel: Digitalisierung ist kein Hexenwerk!“

Aber weil das allein schon lange nicht mehr ausreicht, um gefunden zu werden, Umsätze zu generieren und Kunden zu binden, muss unbedingt auch eine digitale Strategie entwickelt werden, die alle Aspekte des Online Marketings mit einbezieht. Dazu gehören neben der Suchmaschinenoptimierung unter anderem auch Suchmaschinenwerbung und Social Media Marketing. Nur so ist Ihre Website genau dann und dort zu sehen, wann und wo ein potentieller Kunde vor einem Problem steht, welches Ihr Unternehmen lösen kann.

Wie das geht? Sie müssen:

  • Ihre eigenen Stärken kennen
  • Ihre Zielgruppe kennen (wo, wann, wie und warum ist sie online?)
  • genau da präsent sein, wo der potentielle Kunde ist (zur richtigen Zeit, am richtigen Ort in der richtigen Ansprache mit der richtigen Zielseite)
  • sich etwas trauen und einfach starten.

Mit den zahlreichen Werbemöglichkeiten bei Facebook, Twitter & Co. können Sie effektive Anzeigen schalten und die Reichweite Ihres Unternehmens enorm erhöhen. Und das bereits ab 1 Euro am Tag. Warum also nicht schrittweise mit kleinen Budgets testen, was für Ihr Unternehmen funktioniert?

Fazit

Um im Motto der Veranstaltung zu sprechen: „Digitalisierung ist kein Hexenwerk!“ Lassen Sie sich von Fachbegriffen nicht erschrecken! Die Potenziale zu erkennen und zu nutzen ist nicht zwangsläufig teuer. Und mit der richtigen Strategie können Sie am Ende nur gewinnen!

Nehmen Sie sich einen Experten an die Hand und lassen Sie sich im Zweifelsfall einfach zeigen, worauf Sie achten müssen. Holen Sie sich Hilfe zur Bestimmung Ihrer Zielgruppe, Ihrer Ziele und Ihrer Wünsche. Optimieren Sie Ihre Website und suchen Sie sich die passenden Social Media Kanäle aus.

…was uns noch aufgefallen ist

In Thüringen gibt es viele kompetente, tolle und sympathische Internet- und Digitalagenturen. Vielleicht muss es nicht immer die Agentur in der Großstadt für den nächsten Job sein. Hier also noch ein kleiner Appell an alle Thüringer auf Jobsuche: Bewerbt euch in eurer Heimat, wir brauchen euch! 😉 (Übrigens gern auch bei uns!)

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