Ich bin User. Ich bin Redakteur. Ich habe keine Behinderung. Mich fasziniert das Internet. Aber Barrierefreiheit? Betrifft mich das? Gibt es Berührungspunkte zwischen meinem Nutzungsverhalten, meinem Workflow als Texter und einem Behinderten? Warum soll ich darüber nachdenken? Aber vor allem: Was habe ich davon?

Und: Wer bin „ich“ überhaupt? Mein Name ist Pauline Weiß. Ich arbeite und blogge für Lombego Systems. Jeder, der Texte für das Internet schreibt, macht sich Gedanken über die Zielgruppe, über Regeln und Gesetze im Internet. Und dann stößt man unweigerlich auf das Thema Barrierefreiheit und die BITV 2.0, die „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung“. Hier geht es darum, das Internet allen – auch Menschen mit Einschränkungen – zugänglich  zu machen …

Barrierefreiheit im Internet – was bedeutet das?

Alle nutzen das Internet. Die Fülle an Informationen ist riesig, die Möglichkeiten vielfältig, das Angebot gewaltig. „Alle“ heißt wirklich „alle Menschen“. Auch alte Menschen oder Behinderte, wie Menschen mit Hör-, Seh- oder Motorikschwierigkeiten. Sie sind ebenso Teil unserer digitalen Welt. Doch genauso, wie es draußen im Alltag Hürden gibt, stehen sie auch im Internet häufig vor Problemen.

Hörgeschädigte können gar nicht oder nur schwer Audio-Content rezipieren. Ihnen helfen Untertitel. Menschen mit Sehschwächen erkennen Inhalte aufgrund zu geringer Kontraste bspw. zwischen Text und Hintergrund nicht richtig. Können Sie Kontraste individuell einstellen, erleichtert Ihnen das die Nutzung. Blinde profitieren von Screenreadern, die ihnen die Website vorlesen. Menschen mit einer Motorikschwäche können manchmal ihre Hände und Finger nicht richtig bewegen. Sie haben daher Schwierigkeiten, die Maus zu benutzen. Mittels der Tabulator-Taste navigieren sie durch das Internet. Menschen mit Lernbehinderung verstehen oftmals lange und komplizierte Sätze nicht. Mit Inhalten in leichter Sprache kann man aber auch sie erreichen.

Barrierefreiheit bedeutet also, genau diese Menschen mit in die digitale Community einzuschließen und Internetauftritte auch an die Bedürfnisse von Usern mit Einschränkungen anzupassen. Eine zeitgemäße, digitale Welt sollte auch Behinderten die Nutzung von Web-Angeboten und Diensten, wie Überweisungen oder Online-Bestellungen möglich machen.

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Was bringt mir Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit im Internet ermöglicht Menschen mit Einschränkungen die Nutzung und Navigation des World Wide Webs. Ich habe gar keine Einschränkung, trotzdem profitiere auch ich. Wie das? Barrierefreie Websites sind gut aufbereitet, gestaltet und konzipiert. Sie sind leicht zu bedienen. Man kann individuelle Einstellungen wie Einzoomen vornehmen, ohne dass die Performance oder Ansicht der Seite gestört wird. Die Navigation durch die Seite ist ersichtlich, verständlich und bequem, denn die Website folgt einfach gewissen Standards. Auch als uneingeschränkter Nutzer habe ich hier klare Vorteile. Ich mag es, wenn ich mich gut zurecht finde, ich etwas schnell erfassen kann und der Content gut lesbar ist. Genauso geht es Menschen mit Behinderung.

Als Redakteur, Werbetreibender oder Firma habe ich sogar noch weitaus mehr von einem barrierefreien Webauftritt. Webseiten ohne Hürden erweitern die Zielgruppe, verbessern die On-Page-Suchmaschinen-Optimierung, mein Image und die Nutzerfreundlichkeit. Nebenbei sorgt eine gut konzipierte Seite für kürzere Ladezeiten.

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Größere Zielgruppe

Ebne ich Barrieren und integriere hier und da vielleicht einen „Treppenlift“, kann ich ein sehr viel größeres Publikum erreichen. Wenn meine Website arm an Hürden und Hindernissen ist, haben viel mehr Menschen die Chance, meine Inhalte zu konsumieren. Achte ich auf gute Kontraste und Lesbarkeit der Schrift, erleichtere ich Menschen mit Seh-Störungen den Zugang. Auch für blinde Nutzer kann ich die Seite attraktiv gestalten, indem ich in Alt-Texten beschreibe, was das jeweilige Bild zeigt. Verwende ich die HTML-Tags für Überschriften ordnungsgemäß, gebe ich dem Screenreader, dem Bildschirmleseprogramme für blinde User, wichtige Hinweise. Die Hierarchie der Überschriften kann nämlich damit ausgelesen werden. Für einen blinden Nutzer bedeutet das, dass er die Seite erst einmal „überfliegen“ kann, bevor er sich entscheidet, welchem Abschnitt er sich wirklich widmen möchte. Andernfalls müsste er sich die komplette Seite vorlesen lassen, was zu einer höheren Absprungrate führt…
Kurz: Behinderte surfen genauso wie Sie und ich im Netz. Und genauso wie wir sind sie ungeduldig und wollen den Inhalt einer Seite am liebsten sofort erfassen. Menschen mit körperlichen Einschränkungen sollten also als Zielgruppe unbedingt berücksichtigt werden.

Verbessertes SEO

Als Web-Texter will ich, dass Menschen meine Inhalte lesen und dafür muss ich im Internet gefunden werden. Das Mittel der Wahl: Suchmaschinenoptimierung. SEO setzt auf Metadaten und wie heise.de erklärt, hilft Barrierefreiheit bei der Bereitstellung genau dieser Daten. Neben den Alt-Texten sollte man den title-Tag berücksichtigen, denn dieser kann von Bildschirmleseprogrammen ebenfalls ausgelesen werden. Hiermit kann bspw. präzise formuliert werden, wohin ein Link führt. Übrigens: Wörter oder Phrasen wie „hier“ oder „mehr lesen“ sind ungünstige Verlinkungstexte. Danach sucht niemand. Und keiner – egal ob mit oder ohne Behinderung – weiß, wohin der Link führt. Besser werden beschreibende Substantive, Autoren oder Website-Namen verlinkt, also sprechende Links. Diese sind inner- und außerhalb des Kontexts eindeutig und pushen die On-Page-SEO-Strategie. Merke: Was dem Screenreader nützt, hilft auch den Suchmaschinen-Robots.

Imagepflege

Branding wird im Internet groß geschrieben. Mein Image erklärt, wer ich bin, was ich mache, worauf ich Wert lege, was mich tangiert. Also: Was ist mir wichtig?
Soziale Faktoren sind mir wichtig. Ich bin für eine offene, digitale Gesellschaft, in der alle das Internet nutzen können. Als Redakteur kann ich hier leicht einen Beitrag liefern. Ich setze eben nicht nur den Anker und verlinke eine Seite, sondern ich texte auch fix einen erklärenden title-Tag. Dauert zwei Minuten. Oder ich schreibe meine Texte nicht nur runter, sondern ich füge bei fremdsprachigen Wörtern einen Hinweis für den Screenreader ein. Klar, das ist mühsam bei all den englischen Ausdrücken, die wir alltäglich verwenden. Aber stell Dir nur mal kurz vor, wie störend es ist, wenn jemand diese Wörter deutsch ausspricht… Ich würde wegschalten! So geht es sicher auch dem Blinden. Die zeitliche Investition in helfende Tags ist einfach eine Serviceleistung, die für Online Redakteure selbstverständlich werden sollte.

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Wie setze ich Barrierefreiheit um?

Ist die Website technisch sauber programmiert, ist das schon die halbe Miete. Denn: Alles beginnt mit der richtigen Anwendung des HTML-Codes. Dieser bildet nicht nur das Grundgerüst der Seite und die Grundlage für gutes SEO, sondern auch die Basis auf der Screenreader arbeiten. Anhand der verwendeten Tags erkennt das Programm, was eine Überschrift, ein Artikel, ein Menupunkt etc. ist. Auf diese Weise kann auch ein Blinder eine Website „scannen“. Er kann sich bspw. nur die Sublines vorlesen lassen und danach entscheiden, ob er sich weiter mit der Seite befasst. Für Redakteure ist es daher ganz wichtig, Über- und Unterschriften bei Webtexten nicht mittels Fettung oder größerer Schrift hervorzuheben, sondern die HTML-Tags H1-H6 zu nutzen.

Die Verwendung der Alt-Texte, sprechender Links und title-Tags habe ich schon erwähnt. Ein weiterer hilfreicher Trick im Bereich der HTML-Tags ist die Meta-Angabe der Sprache. z.B.: <span lang=“en“>Highlight</span>. So erkennt ein Screenreader, dass das jeweilige Wort englisch ausgesprochen werden muss. Diese Anpassung nimmt der sehende User nicht wahr, macht aber dem Blinden die Nutzung angenehmer.

Werden Podcasts oder anderer Audio-Content auf der Website angeboten, lohnt es sich auch eine Textversion der Inhalte zu veröffentlichen. Dies ebnet eine Hürde für alle Nutzer mit Höreinschränkungen. Ebenso wird Video-Content für Hörgeschädigte, Schwerhörige und Taube zugänglich, wenn er mit Untertitel ausgestattet wird. Besonders wenn Sie Ihre Videos auf YouTube hoch laden, können Sie im Creator Studio mit dem Video Manager selbst Untertitel texten. Aber keine Sorge, die zusätzlichen Textinfos müssen nicht jedem User ausgegeben werden. Im Video-Menu können sie ein- oder ausgeblendet werden.

Neben den Maßnahmen, die ich als Redakteur leicht umsetzen kann, gibt es auch einige, die in der Hand der Entwickler liegen: Das sind zum Beispiel die Metadaten, die in den Kopf einer Website gehören, Sprunglinks für den Screenreader, fokussierbare Links und Navigationspunkt. Zusätzlich sollte der Webauftritt problemlos vergrößerbar sein, so dass User individuell einzoomen können. Wichtig hierbei ist, dass sich Elemente der Seite nicht überlappen.

Fazit

Tangieren heißt – wie Katharina Peham von projekttxt.net so schön dargestellt hat – etwas berührt mich und beeinflusst mein Denken und Handeln. Also: Ja, Barrierefreiheit im Internet betrifft mich – als Nutzer und Texter! Als User mag ich es leicht, bequem und unterhaltsam und als Redakteur will ich gelesen werden. Auch ohne Behinderung profitiere ich von gut organisierten Websites, sauber strukturiertem Content und nutzerfreundlicher Bedienbarkeit. Als Redakteur erreiche ich ein viel größeres Publikum, indem ich Menschen mit Seh-, Hör- oder Motorik-Einschränkungen bewusst in meine Zielgruppe integriere. Gleichzeitig optimiere ich meine SEO-Strategie. Kurz: Barrierefreie Webseiten nützen allen!

Sie wollen auch von einer barrierefreien Web-Präsenz profitieren? Lassen Sie sich doch von einer Agentur mit 18 Jahren Erfahrung unterstützen. Informieren Sie sich über die Leistungen von Lombego Systems oder schreiben Sie uns direkt!

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